Tag 77: Olveiroa(E)-Finisterre(E), 8h, 20°C



Es ist Sonntagmorgen, Palmsonntag. Vor der Kirche werden symbolische Palmzweige verteilt, grosse Büsche Olivenzweige (Olea europaea). In Deutschland gibt es aus diesem Anlass meist Ästchen mit Trieben von Weidekätzchen (Salix).

Nachdem die Messe fertig ist, was, wie meist in Spanien, recht zügig geht, wird direkt im Anschluss übergangslos eine zweite Messe gehalten. Das habe ich noch nicht erlebt. Wahrscheinlich kommt der Pfarrer in dieser dünn besiedelten Gegend nur selten für einen Gottesdienst, und verknüpft dann gleich die bestellten Gedenkdienste.



Ausser den beiden deutschen Damen von gestern und Christoph sind alle anderen Pilger direkt losgelaufen. Im Hintergrund die typischen Gräber, bei denen die Särge in Kammern gelegt werden, und mit einer Gedenktafel verschlossen werden.



Es ist der erste Sonntag seit langen, an dem ich keinen Ruhetag einlegen werde. Der Ort ist klein, so kurz vor dem Meer macht das auch keinen Sinn.



Christoph strahlt, wie die Sonne an diesem Tag.



Wir kommen nochmal am Refugio vorbei. Wenigstens gegen Ende der Reise möchte ich einmal ein Bild machen vom Innenraum. Dieser hier ist sehr gepflegt und sauber. Wie üblich gibt es Stockbetten, man schläft im mitgebrachten Schlafsack. Im Sommer reichen wahrscheinlich eine dünne Decke und ein Spannbezug.



Wir kommen nochmals wir am Rio Xallas vorbei. Etwas weiter flussaufwärts wird er wiederum gestaut beim Staudamm Santa Eugenia, zurück bleibt ein kleines Rinnsal.



Eine Mutter mit ihrer Tochter treibt die Kühe von der Weide.



Wir kommen an eine einsamen gelegene Kapelle. Dies muss eine besondere Stelle gewesen sein, mitten in der Wiese steht ein Bildstock aus Granit.



Etwas schief steht er da, das aber wohl schon seit Jahrhunderten.



An der Seite der Kapelle ist eine Art Schrein, Pilger haben eine Menge persönlicher Dinge zurückgelassen. Puppenfiguren, Steine, Hölzer. Hat was von Voodoo.



Es geht durch eine hochgelegene Heide- und Waldlandschaft.



Bis wir plötzlich vor einer blauen, glitzernden Fläche stehen.



Der Atlantik! Wie müssen sich die Menschen des Mittelalters gefühlt haben, wenn sie vielleicht zum ersten Mal in ihrem Leben hier das Meer gesehen haben!



Auch Maria schaut auf das Meer hinab. Bei der Geste fällt mir ein altes Lied ein

Maria, breit den Mantel aus,
mach Schirm und Schild für uns daraus;
lass uns darunter sicher stehn,
bis alle Stürm vorüber gehn.
Patronin voller Güte,
uns allezeit behüte.

Bis hierher ist es ja gelungen.



Nach einem steilen Abstieg kommen wir nach Cée, einer Hafenstadt mit 7.500 Einwohnern. Ein starker Fallwind braust von der Hochebene in den Ort hinunter und treibt Papier und kleine Abfälle auf das Meer hinaus. Wir gehen weiter ohne Pause, es gibt keine geöffnete Bar am Weg.



Nun fängt der Weg an, sich lange zu ziehen. Wir müssen um eine grosse Bucht laufen. Als Sonntags-Sport fackeln Männer den Wald das Unterholz ab, wir müssen mittendurch.







Und plötzlich öffnet sich der Blick auf die letzte Bucht. Drüben liegt Finisterre, das Ende der Welt. Kein Land mehr zwischen dieser Halbinsel und Nordamerika.



Der Himmel zieht sich etwas zu, es wird immer windiger.



An geschützten Stellen könnte man baden. Ich bin jedoch zu müde, ausserdem ist es kühl durch den auffrischenden Wind. Ich laufe noch immer in meiner kompletten Aussrüstung wie am ersten Tag, ausser dem Stirnband und den Handschuhen.



Blick über die Bucht zurück auf das Festland.



Entlang des Playa de Langosteira.





Finisterre, oder Fisterra auf galizisch. Wie ich mich fühle am Sehnsuchtsort vieler Pilger? Sehr müde.



Der Wind frischt immer mehr auf, die Fischerboote im Hafen hüpfen auf und ab. Mein erster Gang ist zur Herberge, dort dusche ich und lege ich mich ins Bett. Michael, der Milizionär aus Österreich, ist auch da. Er ist den grössten Teil des Camino mit dem Bus gefahren. Ich hatte ihn erstmals in Burgos getroffen, in Boadilla del Camino haben Christoph, er und ich zusammen übernachtet.

Nun gehen wir zu dritt essen, zuerst die wunderbare galizische Kohlsuppe und danach Fisch.

Die Herberge ist voll, ich nehme an, das wir nur eine Nacht bleiben können. Morgen mache ich einen Ruhetag, Christoph ebenfalls. Übermorgen möchte ich nach Muxia laufen. Christoph und Michael werden dann mit dem Bus zurückfahren nach Santiago.

1 Comments:

Anonymous Michael said...

Hallo von Michael, dem "Milizionaer"!

Zuerst mal ein grosses Lob, deine Seite ist wirklich sehr gut gemacht. Gefaellt mir ausgezeichnet.

Moechte nur anfuegen: ich bin nicht, wie von dir angefuehrt, den groessten Teil des Caminos mit dem Bus gefahren, sondern habe jeden Meter zu Fuss zurueckgelegt.

In einer Woche geht es bei mir wieder los, werde den Camino diesmal im Dezember machen.

Schoene Gruesse,
Michael

12/02/2007 8:01 nachm.  

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