Tag 60: Carrión de los Condes(E)-Sahagún(E), 9h, 7°C



Morgens nach dem Frühstück gehe ich in die Kirche beim Kloster, es soll eine Frühmesse stattfinden. Ich bin gespannt, ob ich die Schwestern zu sehen bekomme.
Die anderen beiden sind bereits losgelaufen.



Die Schwestern sitzen im Rücken zum Altar, hinter einer Wand mit einem Gitter abgetrennt. Sie haben ein Mikrophon im Raum und sind bei manchen Teilen der Liturgie zu hören. Das ist schon recht speziell. Nach einer halben Stunde ist die Messe um.

Draussen ist es sehr ungemütlich. Sturm mit Regen!

Ich lege mir die Regenkleidung an, es sieht nach einem sehr feuchten Tag aus.



Das Kloster San Zoilo über dem Río Carrión.

Das Laufen ist heute ein Fall für sich. Der Regen kommt meist horizontal, bei Böen manchmal von oben oder gar von unten. Der Sturm bläst ganz ordentlich über die Ebene.

Nach einer Weile treffe ich einen langen Deutschen, Frank aus Baden-Baden. Er hat einen Poncho an, der laut im Wind flattert. Frank hat vor einem Jahr als einer von zwei Deutschen einen mehrtägigen Marathon in der Wüste Gobi durchstanden. Außerdem ist er Europameister im Kickboxen. Ich fühle mich nun ganz sicher auf dem Camino :)

Aber im Ernst, es ist schön, sehr verschiedene Menschen mit ganz unterschiedlichen Geschichten, Hintergründen und Motivationen zu treffen, und bei beidseitigem Interesse eine Weile mit Ihnen zu laufen.



In Calzadilla de la Cueza gibt es die erste Rastmöglichkeit in 17 km. Wir kehren ein, Christoph und Michael sind auch da. Etwas Warmes trinken, aufwärmen. Dann geht es weiter, wir gehen nun zu viert.

Nach einer Weile sehen wir Elisabeth vor uns laufen. Sie läuft langsam, aber beständig durch.



Terradillos de Templarios, 80 Einwohner. Wieder eine kurze Rast in einer Bar, was eigentlich eher eine kurze Flucht vor dem Regen und Sturm ist.



Wir kommen nach Moratinos.



Dort gibt es am Ortseingang ein interessantes höhlenartiges Gebäude mit Schornsteinen und Fernsehantenne.



Zur Abwechslung wieder eine Rast. Diesmal kein Café in einer Bar, sondern eine richtige Brotzeit. Frank, Michael und Christoph auf einer Bank. Fast schweigend essen wir. Es ist eine Wohltat, im Trockenen zu sitzen und vom Wind verschont zu sein.



Ponchos sind meines Erachtens nicht zu empfehlen. Neben dem großen Lärm, den sie bei Wind verursachen, schützen sie nur dann wirklich vor Regen, wenn der von oben kommt. Das tut er auf den windigen Hochlagen in Spanien um diese Jahreszeit nur selten.



Kurz vor Sahagún liegt eine Kapelle Virgen del Puente, neben einer alten römischen Brücke.




Die Kapelle hat einige Umbauten erlebt.



Es ist dann nicht mehr weit nach Sahagún. Dort gehen wir direkt zur Herberge, zuerst heiß duschen. Die Herberge ist im Dachgeschoss einer Kirche. Ausser uns ist niemand da.
Nach dem Duschen gehen wir einkaufen, die Kleidung ist zum Trocknen in der ganzen Herberge verteilt.



Bei einem wildromantischen Sonnenuntergang zeigt sich die Sonne wenigstens indirekt noch für ein paar Minuten heute.



Die Kirche San Lorenzo im Abendlicht.



Die Kirche wurde im 13.ten Jahrhundert im gotisch-mudéjaren Stil gebaut. Es gibt eine erste Erwähnung in einem Dokument von 1110, die eventuell einen Vorgängerbau betrifft. Bautypus ist die Basilika. Drei durch Rundbögen getrennte Schiffe enden in abgestuften Absiden. Am Standort der Kirche stießen früher das alte Morisken- und Judenviertel aufeinander.





Wir kochen zusammen, gehen früh zu Bett. Ich schlafe mit der Matratze auf dem Boden, das Bett ist mir zu kurz.

1 Comments:

Anonymous Wasp said...

Geniale Bilder! Der Sonnenuntergang ist sagenhaft...
Verfolge die Etappenberichte mit Spannung - danke fürs Online-Stellen!

12/10/2010 12:23 vorm.  

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