Tag 52: Los Arcos(E)-Navarette(E), 9h, 24°C



Ich habe gut geschlafen und bin erholt. Es gibt dazu ein gutes Frühstück im Refugio, das muss ein guter Tag werden.



Wieder ein wunderbarer Morgen, die Sonne scheint, dazu es ist kühl.



Auf den Äckern steht bereits sattes Grün.



An dieser Stelle wurde 1099 ein Pilgerhospiz eingerichtet, heute ist davon nicht mehr zu sehen.



Sansol, ein kleiner Ort mit etwas über 100 Einwohnern. Diese Gegend dürfte die mit am dünnsten besiedelte sein bisher: nur 8 Einwohner pro km2.



In Torres del Rio steht die Kirche Iglesia del St Sepulcro aus dem 12.ten Jahrhundert. Sie ist achteckig, die typische Bauform der Templer. Der Ort was wohl ein Templerstützpunkt, sie haben den Camino gesichert und die Pilger vor Übergriffen geschützt.
Im Reiseführer steht wo man den Schlüssel erhalten kann für die Kirche. Leider ist niemand da, das Innere hätte mich sehr interessiert.



Ein paar Meter von der Kirche entfernt sehe ich einen interessanten Türsturz. Es sind drei Kreuze darin eingeschlagen. Das Alter kann ich nicht gut einschätzen, ich vermute aber, dass es eine relativ neue Arbeit ist.
Links das Kreuz das Tau-Kreuz der Frankziskaner. Tau ist ein griechischen Buchstabe und wurde von Franziskus von Assi als Bußezeichen verwendet. In der Mitte das Y-Kreuz oder der Gänsefuss (habe ich in Puente la Reina in der Iglesia del Crucifijo vorgestern mit Korpus gesehen, siehe oben). Rechts das Kreuz der Templer.



Nach dem Ort geht es gleich wieder hinaus in die Felder.







Dann sehe ich einen Hasen am Weg sitzen. Er muss krank sein, sonst würde er nicht freiwillig in der Nähe eines Menschen bleiben.





Eine aus Steinen geschichtete Schutzhütte. Das habe ich seit den Schäferhütten in Südfrankreich nicht mehr gesehen.



Dann komme ich nach Logroño, der Hauptstadt der Provinz und der Autonomen Region La Rioja. Sie hat momentan 146 tausend Einwohner. Die Stadt liegt auf einer Höhe von 386 m.
In kenne nicht viele spanische Flüsse, den Ebro kenne ich als typische Kreuzworträtsel-Frage seit meiner Jugend. Jetzt überquere ich nach dem Rhein und der Rhône noch den Ebro zu Fuss, das ist schon etwas Besonderes und macht mir die Dimension der Pilgerschaft und mein grosses Glück wieder bewusst.



Die Kirche Iglesias de Santiago mit der bekannten Darstellung des Santiago Matamoros, dem Mauren-Töter. Jakobus soll den christlichen Heeren der Reconquista bei mehreren Gelegenheiten zu Pferd zur Hilfe gekommen sein, um trotz Unterzahl die maurischen Heere zu besiegen.
Auffallend bei der Darstellung ist das übergrosse Geschlechtsteil des Pferdes, es soll die Schmach der Mauern symbolisch wohl noch vergrössern.



Nach dem Verlassen des Altstadtkerns komme ich schnell in die vorgelagerten Stadtteile. Ein fürchterlicher Gedanke, hier wohnen zu müssen.



In den (zum Glück wenigen) Städten habe ich meist Schwierigkeiten, die Wegzeichen zu finden. Hier ist der Pfeil gut sichtbar am Pflanzenkübel angebracht.



Blick zurück auf Logroño. Zwischen der Stadt und dem See waren sehr viele Menschen unterwegs, nun bin ich wieder fast alleine.

Ich habe mir einen schmerzhaften Sonnenbrand auf den Handrücken eingehandelt. Um schlimmeres zu verhindern muss die Handschuhe anziehen. Sonnencreme gibt es hier nicht zu kaufen.



Nach dem Hasen heute morgen sehe ein zweites Tier, zu meiner grossen Überraschung eine Schlange. Sie wärmt sich auf dem Asphalt, verschwindet aber, als ich näherkomme.



Dann führt der Camino neben der Autobahn entlang. Pilger haben tausende Kreuze in den Schutzzaun gesteckt aus Ästen, Drähten und Hölzern, allem möglichen was am Weg liegt. Ich flechte auch ein Kreuz ein. Von den Autos aus wird man das wohl nicht sehen. Für die Autofahrer sind grosse Informationsschilder angebracht, dass sie sich auf dem historischen Camino befinden.



Und dann sehe ich den Stier auf dem Hügel. Vor fast zwanzig Jahren bin ich mit Freunden mit dem Auto nach Portugal gefahren, und habe an der Autobahn so einen Stier gesehen als Werbung für Brandy (der Marke Veterano von der Firma Osborne). Ich erinnere mich gut daran, denn ich war damals sehr beeindruckt von diesem Werbegag. Ob es dieser Stier war? Die Gedanken verursachen ein Flash-Back. Auf einmal erinnere ich mich an viele Details dieser Zeit, an die ich lange nicht mehr gedacht habe. So ähnlich muss das wohl im Alter sein, wenn immer mehr Erinnerungen an die eigene Kindheit deutlich werden.

Ich bin geschafft für heute, es ist wiederum recht warm geworden am Nachmittag. Wie im Reiseführer versprochen hat der nächste Ort Navarette ein Refugio. Neu ausgebaut, gerade wiedereröffnet für die neue Saison.

Der Bart, der mein Gesicht in den letzten Wochen vor Schnee, Kälte und Sonne geschützt hat, stört mich jetzt bei der Wärme. Nun fängt er an zu jucken. Ich wollte schon in Puente la Reina zum Barbier, der hatte aber geschlossen. Hier hat einer geöffnet, ein klassisch südländischer Babier, wie erhofft. Herrlich, eine Rasur mit Schaum und Messer! Danach fühle ich mich nackt im Gesicht, ganz ungewohnt. Auch die Haare lasse ich mir schneiden, wenn schon - denn schon.

Zur Feier des Tages gehe ich essen. Im Freien, an einem Vorplatz der nahen Kirche. Fast sommerliche Stimmung, Kinder spielen, die Eltern trinken Wein. Ich esse Pilgermenü, zur Vorspeise einen Teller Spaghetti, danach gegrillten Fisch als Hauptgericht mit einer Flasche Mineralwassser. Das ganze für 8.50 EUR, da kann man nichts sagen.
Nach dem Essen möchte ich noch einkaufen, aber es gibt kein Brot mehr und auch keine bezahlbare Sonnencreme.

Beim See hinter Logroño habe ich unter den vielen spanischen sonnenhungrigen Menschen auf Rollerskates, mit Kinderwagen und schon oben-ohne auch ein paar Leute mit Rucksack getroffen. Eine Deutsche und ein österreichisches Paar, um die 60. Er ist vor Jahren schon einmal gelaufen und sehr ambitioniert, sie hat wohl Probleme mit dem Knie, hatte vor kurzem erst eine Operation. Wir sind nun zusammen im Refugio. Eine etwas seltsame Atmosphäre, die Frau tut mir leid. Die erste deutschsprachige Gruppe, aber es kommen keine Heimatgefühle auf.

1 Comments:

Anonymous Opa said...

Ja, so ist das tatsächlich im Alter :-)

3/08/2007 6:08 vorm.  

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