Tag 11: Les Abrets(F)-Montgontier(F), 10h, 0°C



Nachdem ich gestern Abend einige Kilometer auf der Strecke zurückgefahren wurde, komme ich heute zum zweitenmal nach Les Abrets. Es ist ein ungemütlicher Morgen, kalter Nebel mit wenig Sicht. Mal sehen ob sie Sonne durchkommt.



Valencogne im Département l'Isère und der Région Rhône-Alpes. Jakobsmuscheln im 6-er Pack. Und es gibt ein Café.



Heute habe ich ein eigenartiges Erlebnis. Normalerweise sind auf allen Wegen bereits Spuren von Menschen, Tieren und Autos im Schnee oder Schlamm zu sehen. Im dichten Nebel laufe ich von einem Weg wie im Bild über einen kleinen Seitenpfad einen Hügel hoch. Plötzlich fällt mir auf, dass hier keine Spuren zu sehen sind. Ausser der Spur von einem einzelnen Hund, der dieselbe Richtung läuft wie ich. Dem Abdruck nach muss er unglaublich grosse Pfoten haben. Der Nebel wird sehr dicht, ich kann kaum 10 m weit sehen.
Da wird es mir doch etwas mulmig. Ich schneide mir einen langen, dicken Stock aus einem Gebüsch am Pfad. So stapfe ich mit dem schweren Stock durch den Schnee.
Nach einer Viertelstunde, in der Spur der riesigen Pranke laufend, komme ich wieder auf einen Hauptweg. Nichts zu sehen von einem Hund, dafür wieder jede Menge Spuren, wie immer.

Ich werfe den Stock weg und denke an die Seemänner, die felsenfest behaupten, Ungeheuer gesehen zu haben. Ich bin versucht, ihnen zu glauben.



Der Wind bläst Schnee und Reif vom Nebel zentimeterdick auf kleinste Flächen.



Le Grand-Lemps. Bei dem tristen Wetter verliere ich das Gefühl für Raum und Zeit. Nur an den Füssen merke ich, wie lange ich heute schon unterwegs bin.




Chemin de Compostelle - die Strasse nach Compostela.
Ein gemütliches Cheminée, ein Kaminfeuer, wäre eine der Jahreszeit entsprechende Massnahme, der ich jetzt nicht abgeneigt wäre. Wer weiss, vielleicht heute Abend? Oder gar ein Bad, das wäre auch fein.



Keine Unterkunft zu finden. Es wird sehr schnell Dunkel heute, durch den Nebel gibt es kaum einen Übergang vom Nachmittag in den Abend. Laut Reiseführer gibt es einen Gite de Groupe (Gruppenunterkunft) in Montgontier, einem landschlossartigen Gehöft. Tatsächlich finde ich den Gite. Die Tür ist offen, warme Räume, dutzende Etagenbetten.
Aber niemand da.

Ich rufe und klingle in dem ganzen Anwesen. Überlege schon, mich einfach einzunisten, gehe dann aber doch nochmals auf die Suche nach einem Herbergsvater oder einer Herbergsmutter. Und dann finde ich sie, in einer Wohnung unter dem Dach.
Ob ich übernachten kann im Gite. Non. Bitte? Non, fermé. Ich bin perplex. Dann werde ich richtig sauer und fange an zu schimpfen. Es entwickelt sich eine Diskussionsart, wie man sie aus Bierzelten nachts um 3 Uhr kennt. Der Herbergsvater auf Französisch, ich auf Deutsch, wir verstehen kein Wort von einander. Nach einigen Minuten zieht die Herbergsmutter den Mann zur Seite und redet auf ihn ein. Dann sagt sie zu mir in bestem Deutsch, dass ich bleiben könne.

Aber nicht in einem der (sauberen) Etagenbetten.

Nachdem ich bezahlt habe, kriege ich ein Zimmer unter dem Dach, bei dem sich die Tapeten abrollen. Ein Staubsauger war wohl zuletzt 1980 in dem Zimmer. Puh, ist das ekelig. Möglichst ohne direkte Berührung irgendwelcher Gegenstände im Raum esse ich Brot und Käse, dazu Wasser aus meiner Flasche. Kein Kaminfeuer ... kein Bad.
Was habe ich heute eigentlich verbrochen, womit habe ich das verdient? Ich bin kaputt, schlafe tief und fest.

2 Comments:

Blogger Volkmar said...

Hut ab vor Deiner Leistung, den Camino um diese Jahreszeit und bei diesen Verhältnissen zu pilgern. Muss sicher ein einzigartiges Erlebnis sein.
Selber bin ich den Camino Francés im Mai/Juni 2008 gepilgert und habe das schon als sehr einzigartig empfunden.
Danke für diesen schönen Bericht, der mich einstimmt auf meine nächste Pilgerreise 2011, von Genf nach Le Puy oder weiter nach S.J.P.d.P.
Gruss Volkmar

11/25/2009 11:25 nachm.  
Anonymous Andie Kanne said...

Hallo Volkmar,
wünsche Dir schon jetzt einzigartige Erlebnisse für 2011. Es scheint mir eine gute Idee, nicht im Heiligen Jahr 2010 zu pilgern, es wird wohl sehr voll werden dieses Jahr.
Ultreia!
Andie

1/30/2010 10:31 nachm.  

Kommentar veröffentlichen

<< Home