Tag 49: Pamplona(E), 6°C

Heute Nacht konnte ich keine Stunde durchgehend schlafen. Die ganze Nacht hindurch zogen laut gröhlend Jugendliche durch die engen Strassen, Mädchen kreischten, Glas zerbrach und es wurde gegen Türen getreten. Als es endlich Morgen war, wurde es ruhiger und ich konnte noch etwas schlafen.



Als ich das Haus verlasse, erwartete ich eine Unmenge an Abfall, Scherben und zerstörten Autos. Es ist nichts zu sehen. Die Stadt ist sauber, ich bin beeindruckt. Die Autospiegel sind noch dran und die Scheiben noch drin. Eine grosse Putzkolonne muss schon durchgezogen sein.

Simon hat eine Nachricht hinterlassen, er ist heute Morgen bereits weitergelaufen.



Es ist Sonntag, mein Ruhetag. Um 12 Uhr ist Messe in der Kathedrale. Die Spanier sind keine Frühaufsteher, was mich bei den Nächten nicht wundert.



Die Kathedrale ist gross. Schlichte alte Figuren, aber auch sehr viel Prunk, das bin ich nicht gewohnt aus Frankreich.



Mittags sehe ich mir die Stadt etwas an. Viele Menschen sind unterwegs, flanieren durch die Strassen und über die Plätze.



Nun bin ich gefühlsmässig wirklich in Spanien, das kenne ich von früheren Reisen in dieses Land.

Seltsam, dass es hier keinen Gite gibt - die heissen nun übrigens Refugios. Es soll wohl einer gebaut werden, aber das wird noch eine Weile dauern. Die Etappen in den Reiseführern gehen auch entsprechend weiter bis Cizur Menor, einem kleinen Ort nach Pamplona.

Ich kaufe mir in einer Apotheke Ohrenstöpsel, um für ähnliche Fälle wie heute Nacht gerüstet zu sein. Danach esse ich zu Mittag, Brot mit Käse und Milch, die ich heute Morgen noch gekauft habe. Dann der verdiente Mittagsschlaf.



Gegen Abend wache ich auf, es regnet leicht. Es sind immer noch viele Menschen unterwegs in der Stadt. Ich gehe in die Iglesia de San Saturnino aus dem 13.ten Jahrhundert, auch San Cernin genannt . Sie hat zwei Chorräume in verschiedenen Baustilen, im rechten Winkel zueinander versetzt.



Die Kirche ist voller Gold und Silber, die Inkas lassen grüssen. Der Ablauf der Messen (die Liturgie) ist viel formaler und strenger als in Frankreich. Die Menschen auch, zumindest auf den ersten Blick. Niemand lächelt mich an in der Kirche.

Ich gehe früh zu Bett, noch eine Nacht in der Pension.

4 Comments:

Anonymous Neo-Bazi said...

offtopic

Ich war 1994 zum letzten Mal in Pamplona. Mit meinen Stiefsohn Stefan im Jeep. Wir kamen gegen 18:00 Uhr an und gingen in einem ausgezeichneten Restaurant essen. Als wir das Lokal etwa zwei Stunden später wieder verließen, hatte sich die Stadt völlig verändert, so etwas hatte ich vorher noch nie erlebt:

Innerhalb von 2 Stunden hatte sich das vorher völlig normale Straßen-Publikum in ein Heer von Fixern und Junkies verwandet.

Wir haben daraufhin die Stadt fast fluchtartig verlassen (Stefan war Ex-Junkie).

Ist dir Ähnliches nicht aufgefallen?

2/13/2007 11:04 vorm.  
Anonymous andie kanne said...

Eine Drogenszene ist mir nicht speziell aufgefallen. Allerdings war das Wetter recht schlecht, aber ob sich die Szene davon beeindrucken lässt bezweifele ich.

Was mir jedoch aufgefallen ist: Die Stadt ist, bis auf die Innenstadt selbst, fast völlig neu erbaut. Ich hatte den Eindruck, dass die spanische Regierung/EU eine hintersinnige Brot-für-alle Politik betreibt, ähnlich wie in Irland: Nach der gezielten wirtschaftlichen Förderung und einem gewissen allgemeinen Wohlstand rückt das Seperatismus Problem etwas in den Hintergrund.

Die ETA hat zwar auch an dem Wochenende eine Bombe gelegt, in dem ich in Pamplona war. Aber diese Organisation hat in den letzten Jahren durchaus Einfluss verloren.

Eine allgemeine Wohlstandssteigerung und wirkt sich bestimmt auch positiv auf die Kriminalität und den Drogemissbrauch aus.

2/13/2007 9:16 nachm.  
Anonymous Neo-Bazi said...

Danke sehr für deine Einschätzung.

Den letzten Absatz kann ich aus meiner Erfahrung nicht bestätigen, oft ist genau das Gegenteil der Fall, siehe Holland und die Schweiz.

Entscheidend ist eine wirksame Anti - Drogenpolitik der Regierungen. Natürlich hast du in gewisser Weise recht, Alkohol ist ja auch eine Droge.

Ich hatte gerade heute einen Anruf meiner Freundin aus Vigo, sie beklagt die derzeitigen Zustände (Bauwut und Korruption), was mich sehr überraschte.

2/14/2007 9:26 nachm.  
Anonymous andie kanne said...

Viele der versumpften Typen in A'dam oder Zürich (bis zur Auflösung der verheerenden Szene dort im Jahr 2001 oder so) sind Deutsche, die wegen der restriktiven Drogenpolitik in D geflüchtet sind (Erfahrungswerte, die ich nicht statistisch unterbauen kann).

Wirksame Anti-Drogenpolitik kann m.E. nur durch Entkriminalisierung gelingen, aber dass müssen wir vielleicht offline diskutieren.

Was die Bauwut betrifft, die Situation in Spanien ist bitter. Die Landflucht ist kaum zu ertragen als Aussenständiger, während die Städte in einem Ausmass wuchern, dass es nicht gesund sein kann. In den Dörfern sind teilweise zwei-drei Häuer bewohnt, während um sie herum alles verfällt und einstürzt. In Frankreich gibt es das auch, aber nicht so intensiv (zumindest nicht am Camino).

Ich hoffe, das D von dieser Entwicklung einigermassen verschont bleibt (obwohl ich Dorf-Ei auch in Europas dichtbesiedelstem Gebiet Randstadt wohne mit der höchsten Luftverschmutzung - nur wegen der Arbeit..)

2/15/2007 12:08 vorm.  

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